Nachruf: Dr. Werner Kirchhoff

Nachruf

Die Stadt Fulda nimmt Abschied von Dr. Werner Kirchhoff (1945-2019)

Die Stadt Fulda trauert um den langjährigen Leiter des städtischen Kulturamts und profunden Kenner der Fuldaer Stadtgeschichte, Dr. Werner Kirchhoff. In den mehr als 35 Jahren an der Spitze des Kulturamts hat er das kulturelle Leben der Stadt entscheidend geprägt und große Fußspuren hinterlassen. Unter anderem waren die Verlagerung des Vonderau-Museums in die Gebäude der Alten Stadtschule und die Neukonzeptionierung der Dauerausstellung zum Jubiläumsjahr 1994 ganz wesentlich mit seinem Namen verbunden. Dr. Kirchhoff ist am vergangenen Wochenende im Alter von 73 Jahren in seiner Heimatstadt Fulda gestorben. „Wir verlieren einen großen Gelehrten, eine authentische Persönlichkeit und einen liebenswürdigen Menschen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld.

Dr. Werner Kirchhoff wurde am 26. Mai 1945 als Sohn des Rechtsanwalts Theodor Kirchhoff und seiner Ehefrau Liselotte in Fulda geboren. Er besuchte das Fuldaer Domgymnasium sowie das Bischöfliche Progymnasium in Amöneburg und legte sein Abitur 1964 am Domgymnasium ab. Von 1964 bis 1974 studierte er in Tübingen und Marburg die Fächer Archäologie, Vorgeschichte, Geschichte und Kunstgeschichte und wurde 1974 mit einer Arbeit über „Die Entwicklung des ionischen Volutenkapitells im 6. und 5. Jh. v. Chr. und seine Entstehung“ promoviert. In dieser Zeit arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Marburg, 1974-1975 erhielt er ein Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin. 1975 schlug er das Angebot einer Assistentenstelle zur archäologischen Grabung in Olympia aus, um 1976 die Stelle als Leiter des Kulturamts seiner Heimatstadt Stadt Fulda anzutreten.

Als Dr. Kirchhoff sein Amt 1976 antrat, hatte die Entwicklung Fuldas zur Kulturstadt gerade begonnen. In dem jungen Wissenschaftler, der sich der Kultur und Geschichte seiner Heimatstadt Fulda verschrieben hatte, fand der damalige Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger einen kongenialen Partner zur Umsetzung seiner Pläne. In nur wenigen Jahren wurden die kulturellen Institutionen der Stadt – von der Volkshochschule über die Musikschule, das Stadtarchiv, bis zum Schlosstheater und zum Vonderau-Museum – auf eine neue Grundlage gestellt. Dr. Kirchhoffs glänzende Kenntnisse auf dem Gebiet der Denkmalpflege und der Architekturgeschichte führten dazu, dass für die neu begründeten Kultureinrichtungen passende Gebäude gefunden wurden, die wesentlich zum weiteren Erfolg des Kulturlebens beitrugen. Das Stadtarchiv fand sein Domizil im Palais Buttlar, das Schlosstheater in der fürstlichen Winterreitbahn, die Musikschule im umgebauten Landkrankenhaus und das Vonderau-Museum in der alten Stadtschule. An allen baulichen und inhaltlichen Konzeptionen war Dr. Kirchhoff maßgeblich beteiligt.

Sein „liebstes Kind“ war das Vonderau-Museum, dessen neu konzipierte Dauerausstellung, die 1994 zum Stadtjubiläum eröffnet wurde, im Wesentlichen seine Handschrift trägt. Bis zuletzt hat er sich mit seinem Rat bei der anstehenden Fortentwicklung des damaligen Konzepts beteiligt. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld betont: „Dr. Kirchhoff war als Kenner aller Bereiche der Fuldaer Stadtgeschichte eine Instanz. Sein unerschöpfliches Wissen und seine Kenntnisse in allen Bereichen der regionalen Historie machten ihn zu einem viel gefragten Ratgeber, der mit seinem trockenen Humor, seiner Bescheidenheit, aber auch mit seinem anregenden Intellekt viele, die ihn näher kannten, faszinierte.“ Als Leiter des städtischen Kulturamts hat er zwischen 1976 und 2011 Maßstäbe gesetzt und Bleibendes hinterlassen. „Sein Ansatz bei allen Betrachtungen war nie provinziell. Stets blickte er über den Tellerrand hinaus und war aufgrund seines umfassenden Allgemeinwissens in der Lage, Lösungen von bleibendem Wert zu finden“, betont Wingenfeld.

Diskussionen mit Dr. Kirchhoff über Fragen der Architekturgeschichte und der Denkmalpflege waren ebenso anregend wie herausfordernd, da man sicher sein konnte, dass die von Dr. Kirchhoff vorgetragenen Thesen nahezu alle Aspekte der abendländischen Bau- und Kulturgeschichte berücksichtigten. Jede Art von öffentlichen Würdigungen war ihm verdächtig. So hatte er es sich auch verbeten, dass zu seiner Verabschiedung aus dem aktiven Dienst Reden gehalten wurden. Ihm ging es um die Sache und um das Ganze, nicht um die Befriedigung von persönlichen Eitelkeiten. „Bei der Erfüllung der ihm selbst gestellten Aufgaben legte Dr. Kirchhoff ein preußisches Pflichtbewusstsein an den Tag. Wir werden uns gerne an einen großen Gelehrten, an eine authentische und in der Sache streitbare Persönlichkeit und an einen liebenswürdigen Menschen erinnern“, sagte Wingenfeld.