Stadt Fulda trauert um Kulturpreisträger Elmar Schick

Stadt Fulda trauert um Kulturpreisträger Elmar Schick

Erforscher der lokalen NS-Geschichte starb im Alter von 97 Jahren

 

 

 

Die Stadt Fulda trauert um einen der profiliertesten Erforscher der Lokalgeschichte und einen vielseitig engagierten Pädagogen, der das kulturelle Leben der Stadt und der Region bereichert hat: Elmar Schick. Der Träger des Fuldaer Kulturpreises starb in dieser Woche im Alter von 96 Jahren. Schick hatte den Kulturpreis für sein Lebenswerk im Februar dieses Jahres zusammen mit dem Regionalforscher Günter Sagan verliehen bekommen.

Fuldas Oberbürgermeister zeigte sich auch ganz persönlich tief betroffen über den Tod eines Mitbürgers, „der in seinem erfüllten Leben viele bleibende Spuren in seiner Heimatstadt Fulda hinterlassen hat.“ Gerade mit seinen regionalen Forschungen zur Zeit des Nationalsozialismus habe sich Elmar Schick bleibende Verdienste erworben. „In seinen Werken zu den dunkelsten Kapiteln der Stadt- und Regionalgeschichte bezog er unmissverständlich Stellung und nannte die Verbrechen der regionalen Täter und Mitläufer beim Namen“, betonte der OB. Sowohl der Quellenreichtum seiner Studien als auch die Einbeziehung seiner immensen Kenntnisse als Zeitzeuge der 30er und 40er Jahre machten Elmar Schick in seiner Person wie in seinen Publikationen zu einem wichtigen Vermittler der Regionalgeschichte an die jüngere Generation. „Wir werden seine Stimme, seinen wachen und kritischen Geist sehr vermissen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren“, sagte Wingenfeld.

Elmar Schick kam 1922 in Fulda als Sohn des Lehrers Karl Schick (1884-1965) und der Anna geb. Nöll zur Welt. Nach seinem Dienst in der Kriegsmarine von 1940 bis 1945 ergriff Schick den Beruf des Volksschullehrers. Er wirkte in dieser Funktion in Maberzell, Eichenau, Almendorf und Lehnerz und förderte in diesen Orten das kulturelle Leben als Dirigent und Chorleiter. Zuletzt war er Leiter der Johannes-Hack-Schule in Petersberg. Seit seinem Eintritt in den Ruhestand befasst sich Schick intensiv mit der Geschichte des Fuldaer Landes. Ausfluss seiner intensiven Archivforschungen waren zwei umfangreiche Ortschroniken über Eichenau und Haunedorf. Sein wichtigstes Arbeitsfeld fand Elmar Schick aber bei der intensiven Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus in der Region, die er in zahlreichen Beiträgen in den „Buchenblättern“ sowie in mehreren Monographien nachzeichnete wie zum Beispiel in dem 2015 erschienenen Werk „Täter und ihre Opfer. Zur Geschichte der Diktatur des Dritten Reiches zwischen Rhön und Vogelsberg“ oder in dem 2002 publizierten Standardwerk „Stationen der Machtübernahme. Die NSDAP im Fuldaer Land. Beiträge und Materialien zur Geschichte des Kreises Fulda im Dritten Reich“.

Elmar Schick gehörte auch zur Historikerkommission, die 2015 vom Magistrat damit beauftragt worden war, die Tätigkeit des früheren Oberbürgermeisters Dr. Franz Danzebrink während der NS Zeit zu untersuchen. In seiner im Jahre 2005 als Buch erschienenen Autobiographie „Islandtief – Azorenhoch. Erfahrenes und Erlebtes eines Schulmeisters“ hat er viele Erkenntnisse und Einsichten aus seinem langen Leben als Pädagoge, Forscher und kritischer Geist zu Papier gebracht.